Entspannt und passiv
Januar 8, 2008
Heute war es selbstverständlich, dass ich nichts trinke und nichts rauche — weder Sog noch Schmacht. Aber ich schaffe es kaum, zu arbeiten. Morgen werde ich wieder richtig arbeiten, habe Termine usw. Es geht mir gut, lache wieder mehr. Ich bin froh, dass mein Absturz kaum Spuren hinterlassen hat.
Es geht wieder
Januar 8, 2008
Habe den gestrigen Tag gut überstanden und bin meinem Vorsatz treu geblieben, weiterhin nichts zu trinken und nicht zu rauchen. Ich muss sagen, es viel mir gestern ziemlich leicht, musste weder schmachten noch hatte ich einen Sog. Ich las lang um wirklich müde zu werden und habe dann geschlafen wir ein Stein. Ich hatte Angst, ob nun nach meinem Absturz vorgestern der Entzug wieder von Vorne losgeht. Aber das war nicht der Fall. Heute morgen fühle ich mich entspannt und gut.
Ich lebe getrennt von meiner Frau. Wir beide sind trotzdem gemeinsam zu einer Party irgendwann im Januar eingeladen. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht mitkommen werde, weil ich weiß, dass diese Party ganz klar auf Saufen ausgelegt sein wird. Es gibt solche Parties. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht mitkommen werde, weil es für mich zu gefährlich sei. Sie konnte erst nicht richtig folgen. Immerhin machte ich ihr deutlich, wie bewußt und relevant mein Alkoholproblem für mich ist.
Absturz
Januar 7, 2008
Gestern bin ich gnadenlos abgestürzt. Es ist unglaublich. Der Saufdruck hat so sehr beherrscht. Ich konnte nicht mehr denken, arbeiten, noch sonstwas, bin wie ein Tiger im Käfig hin und her, bis ich mir gesagt habe: was soll’s, ich kann nicht anders. Dann bin ich zur Tankstelle gefahren und habe mir ein Sixpack besorgt. Die erste Haltestelle war zu, dann musste ich um die halbe Stadt fahren zur Nächsten. Der Entschluss war gefasst und habe keine Sekunde daran gezweifelt, es zu lassen. Wieder zuhause habe ich dann das Sixpack gekillt und eine halbe Flasche schlechten Wein. Dazu fünf Zigaretten. Um halb zwei bin ich dann ins Bett. Es hat sich alles um mich gedreht. Mein Gott ging es mir scheiße. Schon in dem Moment habe ich es bereuht. Dann habe ich heute bis halb 11 geschlafen. Hallo! Es ist Werktag, was ist los? Warum musste ich mich so gehen lassen. Ich bin verkatert und zu nichts zu gebrauchen. Ich habe Angst vor mir und meiner Sucht. Wie kann ich mich nur so schwer im Griff haben? Jetzt muss ich den heutigen Tag überleben und hoffen, dass heute Nacht nicht wieder die Enzugserscheinungen kommen. Ich weiß jetzt, in zwei Tagen geht’s mir wieder gut. In fünf Tage kommt dieser brachiale Sog. Der Kater ist trotzdem allemale schlimmer als der Sog. Kann ich mir das einprägen? Der Kampf geht weiter.
Was mir Sorgen macht ist, dass ich unmittelbar nach dem ersten Bier richtig effektiv arbeiten konnte. Ich habe jede Menge zT schwierige Mails weggeschafft wo mir vorher die Energie gefehlt hat. Ich muss einen Weg finden ohne Alkohol arbeiten zu können. Ich habe mal gelesen, dass dies ein Teil der Sucht ist, nur im besoffenen Zustand etwas gut machen zu können. Wie bedrohlich das ist! Ich habe wirklich Angst um mich …
Allein zuhause
Januar 5, 2008
Ich wohne alleine, seit einigen Monaten. Das ist ein großer Risikofaktor. Früher habe ich immer dann viel getrunken, wenn ich weg von zuhause war, ohne Kontrolle meiner Familie. Das ist bei mir nun Dauerzustand und sehr gefährlich. Was liegt näher, Dinge zu tun, die mich vom Saufen abhalten? Also bin ich heute Nachmittag 17 km durch die Landschaft gewandert und habe zu 80% an Saufen gedacht. Ich bin durch eine kleine schnuckelige Stadt gewandert und habe mich verzehrt mit dem Gedanken, irgendwo gemütlich einzukehren und ein leckeres, kühles Bier in einem beschlagenen Glas zu trinken.
Bewußte Träume
Januar 5, 2008
Gestern bin ich um 11 Uhr ins Bett und habe noch etwas gelesen. Das sind Momente, die ich so sehr genieße. In Zeiten, als ich getrunken habe war das nicht möglich. Ich liebe Bücher, war aber immer zu besoffen, um zu lesen. Es ist unglaublich, was mir dadurch verloren ging. Gegen 12 habe ich dann das Licht ausgemacht. Heute bin ich dann um 9 Uhr topfit aufgewacht, das erste Mal seit langer, langer Zeit. Ich hatte keine Panikmomente, dafür intensive, regelrecht aufregende, teilweise erotische Träume. Auch das ist eine besondere Erfahrung. Saufen führt dazu, dass man nich bewußt träumt, wenn es sowas wie bewußte Träume überhaupt gibt.
Für heute nehme ich mir vor mal wieder eine Strecke von 10 km zu laufen (in 70min). Vor 4 Monaten, bevor ich ziemlich abgestürtzt bin habe ich an meinem letzten Lauf teilgenommen (naja, 44 min für 8 km, aber immerhin, ich war dabei).
Saufdruck
Januar 4, 2008
Der Entzug wird immer einfacher. Die letzte Nacht war OK. Jetzt kommt der Saufdruck. Ich denke an zukünftige Ereignisse bei denen es schwer wird nichts zu trinken, geschäftliche und private Feiern, Treffen mit Freunden. Ist es normal, dass man mit den Tagen der Abstinenz immer mehr den Glauben an die Enthaltsamkeit verliert und sich darauf besinnt, dass es in der Vergangenheit eigentlich nicht so dramatisch war mit dem Saufen?
Ich habe im Durchschnitt 4-6 Bier pro Tag getrunken, und das bereits seit Jahren. Mit meinen Leberwerten sah es eigentlich immer recht gut aus. Meine berufliche Entwicklung wurde kaum beeinträchtigt. Wie wäre es gewesen, wenn ich die letzten Jahre nichts gesoffen hätte? Es wäre alles besser gewesen aber vieles auch langweiliger.
Es wird schwerer
Januar 3, 2008
Der Tag war OK. Die ersten Stunden habe ich mich sehr depressiv gefühlt und weinerlich, innerlich labil. Dann wurde es besser. Am späten Nachmittag und frühen Abend fühlte ich mich körperlich immer fitter. Die Gefahr mit meiner zunehmend besseren Verfassung ist, dass meine Lust auf ein Bier oder eine Zigarette zunimmt und ich mich immer häufig frage, wie sinnvoll meine Entscheidung war. Ich sage mir immer, dass genau dieses Bedürfnis mein Problem ist. Ich schaue ihm lachend ins Gesicht. Nur so kann ich es. Ich habe mal gehört: Rauchen füllt die Lücke, die ohne das Rauchen nicht wäre. Wie wahr!
Vielleicht sollte ich bald wieder anfangen, Sport zu treiben.
Wieder eine Horrornacht
Januar 3, 2008
Die dritte Nacht nüchtern. Ich weiß gar nicht mehr, wie die Nacht war. Ich habe geträumt, wie noch selten. In den ersten Stunden bin ich immer wieder aufgewacht. Der typische Effekt: nach einer Stunde einschlafen, topfit sein und dann nicht weiterschlafen können, wachliegen usw. Jetzt ist es schon fast 11 Uhr morgens. Das Licht habe ich gestern um 1 Uhr ausgemacht. Mein körperliches Gefühl ist immer noch dasselbe wie gestern. Ich hoffe auf den Tag, wo ich morgens aufstehe und mich freue, darüber wie gut es mir geht und wie schön es doch sei ohne Alk und ohne Nikotin.
Ein depressiver Tag
Januar 2, 2008
Ich habe heute alle Zeit der Welt, ein Tag, wie ich ihn mir die letzten Monate gewünscht hätte. Ich bin allein in meiner Wohnung, keine Termine. Niemand will was von mir. An so einem Tag könnte man richtig viel erledigen. Jetzt, wo der Tag zum Abend übergeht fühle ich, heute fast nichts geschafft zu haben. Ich habe 2 Seiten meines Artikels geschrieben, das ging schnell, der Rest fand statt zwischen Spazierengehen, Musikmachen, Fernsehen, im Web surfen usw. Es ist kein gutes Gefühl, so depressiv zu sein, wie ich heute. Ich habe heute noch mit keinem Menschen gesprochen, außer am Telefon. Ich kann das genießen, aber am Abend wird mir das dann doch zu einsam. Jetzt bäume ich mich nochmals auf und versuche, ein paar kleine Dinge zu erledigen.
Müde und nervös zugleich
Januar 2, 2008
Es ist heute ein wunderschöner Tag. Es ist angenehm kalt und Sonne scheint herrlich. Ich habe mir für heute nicht sonderlich viel vorgenommen. Ich arbeite an einem Artikel für eine Fachzeitschrift und werde heute 2-3 Seiten schreiben, nicht mehr. Wie gestern werde ich einen langen Spaziergang machen. Mehr braucht es nicht für einen erfolgreichen und guten Tag. Nicht trinken und nicht rauchen, das ist das Allerwichtigste. Der Rest ist egal.
Mein Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es geht mir eigentlich ganz gut, habe aber ein körperliches Erleben, dass ein Nicht-Alkoholiker nicht kennt. Man spürt, wie der Körper reagiert, insbesondere das Nervensystem. Es ist kein Schmerz und auch keine Übelkeit, auch kein Schwindelgefühl. Es ist eher eine Art Schwachheit, Müdigkeit, Nervosität. Ich fühle mich weinerlich. Ja, das ist es! Ich fühle, wie wenn ich weinen müsste, aber ohne Grund. Jeder kennt das Gefühl, wenn sich einem dabei der Magen in befreiender Weise zuschnürt.